TOO COOL IN BAHIA ODER DIE PIONIERIN VON DIOGO

Wüste in Brasilien...die weißen Dünen bei Diogo.

 

Wenn ich - an Fernweh leidend - an eine Reise zurückdenke und in meiner Erinnerung Glanzlichter auftauchen, so sind das - neben den monumentalen Eindrücken der Landschaft, der Städte, meist ganz besondere Menschen, die einer Reise ein wohliges Gefühl geben, einen schönen Nachhall. Menschen, die einen Abdruck hinterlassen, sodass man die Reisegeschichte aufnotieren möchte, um an österreichischen Wintertagen in den Zeilen und in den Fotos zu kramen. Auch, um die Reise wieder zu erleben, denn die Flugzeuge rasen mit einer Geschwindigkeit bei der die Seele nicht mit kann und zwischen den Zeiten und Zielen hängen bleibt.

Hier möchte ich erzählen von meiner Begegnung mit dem Dorf Diogo, (noch) verschlafen an der Atlantik-Küste gelegen - aber vor allem möchte ich auch von einer Pousada und deren Seelen berichten, die mich im Alltag oft abschweifen lassen in Richtung Bahia...

 

PRAMDHARA SOPHIE JACQUET

 

Am Ende meiner Brasilien-Bahia-Tour 2017 "Stadt, Land, Meer"  - wurde ich vom Bus der "Expresso Linha Verde" mit gut zwei Stunden Verspätung  (eine kleine Panne auf der Stadtautobahn in Salvador verursachtE einen gigantischen Stau und warf alle Busfahrpläne über den Haufen) auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin in Diogo, einem winzigen Dörfchen, ca. 80 km nördlich vom Busterminal Salvador Bahia, bei tiefster Dunkelheit ausgesetzt (außer einer schwächelnden Straßenlaterne gibt es nächtens kaum Orientierungspunkte entlang der Linha Verde) und mir selbst überlassen. Nach gut 12stündiger Anreise von Lencois in der Chapada Diamantina über Salvador/Bahia steckte doch eine gewisse Reisemüdigkeit in meinen Gliedern. Die Sehnsucht nach einem kühlen Bier und einem sauberen Bett wuchs mit dem Zweifel "Wo bin ich hier?" - ich erinnerte mich an den erstaunten Gesichtsausdruck des Buschauffeurs auf meinen Wunsch hin, mich an der staubigen Straße bei Diogo aussteigen zu lasse: "Das ist ja sogar noch nach Praia do Forte!". In Praia do Forte spielt sich der Strandtourismus der Baianos ab. Ein Ressort wächst neben dem anderen, ein Beachclub ist schicker als der nächste, teuer ist es sowieso. Aber während meiner Reise hatte ich gehört von diesem kleinen Dorf , zwischen Imbassai und Costa do sauipe. Jene, die ein Stück echtes Brasilien suchen und noch Ruhe, Natur und einsame Strände finden möchten, flüchten immer weiter Richtung Norden, weg von den Hotelburgen in Praia do Forte. 

 

Also, endlich hier, Diogo - und auf der gegenüberliegenden Seite der Bushaltestelle (bestehend aus einem Schild) eine alte Holzbank, auf der offenbar seit Stunden jemand auf mich gewartet hatte:

 

Keleu, coolster Surfer von ganz Bahía, aber was: von ganz Brasilien! Und seit vielen Jahren sympathischer Wegbegleiter von Sophie: Pionierin, Besitzerin, Erbauerin, Architektin einer "Welt-Pousada" mit starkem Herzschlag und erfüllt von Energie einer in vieler Hinsicht strahlenden Frau.

Ein Platz, an dem man die Energie eines erfüllten Lebenstraumes an jeder Ecke spürt.

 

POUSADA "TOO COOL NA BAHIA" 

 

Sophie Jacquet, gebürtige Belgierin, zog als gelernte Touristikerin und Tourguide beruflich und privat viele Jahre um die Welt - pendelnd zwischen Dubai, Quatar, Äthiopien, Türkei, Belgien und ihrem kleinen Apartment in Rio de Janeiro. In Brasilien schlug ihr Herz und später wollte sie einen Traum verwirklichen:

ein kleines Hotel bauen,  wenn möglich gleich in der Nähe von Rio de Janeiro, und das Motto des Hotels, der Pousada sollte sein:

"No TV, No Pool"

Die Grundstückspreise rund um Rio stiegen über die Jahre stetig und zuverlässig und ins Unleistbare. Der Traum vom Hotel blieb.

 

1999 führte eine Reise Sophie nach Salvador/Bahia, weiter entlang der Küste Richtung Norden, nach Diogo, damals noch ein Dorf ohne Stromanschluss aber es gab kräftige Männer, quirlige Frauen, die Arbeit annahmen und die Grundstückspreise waren mäßig.

Die Abenteurerin mit Plan packte die Chance, kaufte 10.000 m² Land, hinter den schneeweißen Dünen, inmitten des Dschungels, nahe des Flusses Imbassai, trommelte die Männer und Frauen zusammen  und begann zu bauen. Vorerst ohne Strom.

Nach verlängerter Bauzeit wurden 2003 die ersten drei Bungalows fertiggestellt und der coole Name für die coole Pousada festgelegt

 

"TOO COOL NA BAHIA":

 

Luftige Häuser, eingerichtet im Stil jener Länder, die Sophie einst bereist hat: "Brazil", "Egito", "Etiopia"... 

die dazupassenden Antiquitäten wurden aus Afrika im Container gebracht. Alle Bungalows haben erdfarbene Ziegelböden und sind ausgerichtet nach dem Zentrum der Anlage: einem alten Mangobaum, ausladend groß und wichtiger Schattenspender in einer Gegend, in der die Temperaturen selbst im Winter kaum je unter 25 °C fallen.

 

Das Haupthaus mit der Bar und mit einem Restaurant-Bereich ist Treffpunkt am Abend, um sich auszutauschen mit Gästen aus aller Welt oder mit Keleu und Sophie, um einen Drink zu nehmen, um in der Hängematte den Sternen beim Blinken zuzusehen. Manchmal veranstaltet die Hausherrin, stets sonnig gekleidet, Live-Konzerte. Dann heißt es "Samba!" statt TV und danach schläft man in himmlischen Betten unter dem Moskitonetz. 

Am Morgen danach gibt es ein üppiges, brasilianisches Frühstück - energiereich, gesund und Grundlage für z.B. eine Kanu-Tour im Rio Imbassai, der gleich hinter den Häusern vorbeifließt - also doch ein Pool!

 

Wer es ruhiger mag kann - unter Anleitung von Sophie - eine Meditationsstunde genießen. Sophie lehrt nach der OSHO-Methode und die Zeremonie ist ein kostenloses Angebot für ihre Gäste.

 

Oder über den Fluss und über die Dünen an den Strand wandern und im Fischerdorf Santo Antonio frischen Fisch genießen oder in Costa do Sauipe den Künstlerinnen zusehen wie sie aus Palmfasern fröhlich-bunte Handtaschen zaubern. Oder sich ein Pferd ausborgen und mit einem Guide die endlos lange Küste entlang reiten...bis man nach wenigen Tagen schon den Wunsch verspürt, viel länger oder für immer an diesem magischen Ort zu bleiben.

  

Sophie am Strand von Santo Antonio/Bahía/Brasilien. Im Hintergrund einer der vielen Barracas, deren Besitzerinnen aus einfachen, frischesten Zutaten umwerfende Gerichte zaubern.

Ein unkonventionelles, liebendes, höchst sympathisches Paar:

Keleu, Musiker, coolster Surfer Brasiliens und Sophie, auch Premdhara "River of Love" (ein Name aus der Sannyas-Bewegung).


In der blauen Stunde wiegen sich die hohen Kokospalmen sanft im Wind - die Gastgeberin wartet auf Ihre Gäste, die sich bald an der Bar einfinden werden und den famosen Caipirinha probieren bevor man zum Essen ausgeht oder einfach da bleibt und eine von Sophias Quiches probiert.

 

 

Rechts: ein Detail der Bar -  hier eine kleine Büste aus Äthopien mit einer Flasche Cachaca aus Brasilien. Beides große Handwerkskunst.

Darunter ein Blick in das Haus "Zanzibar", ganz in warmen Farben gehalten.

Há pequeno almoco! Es gibt Frühstück!

Oben: die Veranda des Hauses "Kenia & Marrocos", mit Blick über den Fluss.

Rechts: Bikini ist in Diogo auch Straßenkleidung.

Im Freiluftwohnzimmer gleich neben dem Frühstücksplatz kann man gut eine Lesestunde einlegen. Bücher und Zeitschriften gibt es in vielen Sprachen.


Premdhara Sophie begleitet Sie durch eine Stunde Meditation. Kostenlos und kräftigend für einen Tag in Diogo.

 


COISAS A FAZER - Aktivitäten...Diogo ist kein Ort mit Disco- Nachtleben, so weit ich festgestellt habe, gibt es überhaupt kein Nachtleben - das macht aber nichts. Denn vom stundenlangen Wandern, Spazierengehen am Strand, durch die Dünen, über die Flüsse...ist man abends ohnehin so müde, dass einem nicht nach Nachtschwärmen zumute ist.

Der Dünensand ist schneeweiß und brennend heiß.

Weiße Dünen, Palmen, dahinter der Strand, endlos, einsam.


Der "Pasarela" - der Laufsteg, führt über den Rio Imbassaí, in dem man auch hervorragend baden kann. Eine Kanu-Tour ist auch nicht zu verachten. Langärmelige Shirts sind nicht gegen die Kälte sondern gegen einen Sonnenbrand, die größte Gefahr, der man in dieser Gegend ausgesetzt ist. Diogo gilt sonst als sehr sichere Gegend.

Unten: Havaianas-Salat bei der Imbassaí-Brücke

Gleich um die Ecke geht es runter zum Fluss - mit Badesteg, doch ein Pool!

Der Ziegenhirte, der einst gegenüber der Pousada wohnte, ist vor vielen Jahren ausgezogen.

 

Unten: Die Brückenspringer von Diogo.


Let's get the party started - Karnevals-Konzert von "Néctar Brásil" - quasi die Hausband, Keleu und seine Brüder rocken für uns den Rosenmontag, in Diogo, Bahía, Brasilien, Feb.2017.

 

 

Rechts oben: Gruppenfoto mit der "Too Cool"-Truppe. Für den Karnevalsabend improvisierte die Reisende...nicht gerade die perfekte Samba-Robe aber das tat dem Spaß keinen Abbruch.



Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Claudia Gondosch (Freitag, 02 Juni 2017 11:10)

    Vielen Dank für diesen tollen Reisebericht. So bekomme ich weitete schöne Eindrücke von Brasilien. Leider konnte ich damals nicht viel davon sehen, aber durch dich hol ich das sozusagen auf diesem Wege nach. Und wer weiß, vielleicht habe ich nocheinmal das Glück dieses Land bereisen zu dürfen. Dann ist für mich jedenfalls klar, wen ich um Reiseempfehlungen fragen werde �.
    Vielen Dank, lg

  • #2

    Kathrin (Samstag, 13 Januar 2018 16:06)

    Danke für den tollen Bericht! Ich war selbst vor vielen Jahren (2008/09) in Imbassaí und habe in diesem Fluss mich selbst und meine Wäsche (und natürlich auch das Surfboard) gewaschen. Wir sind oft mit dem Kanu nach Diogo gepaddelt, weil es dort so schön ruhig ist. Ein wunderschöner Fleck auf Erden, schön dass es immer noch so ist!

  • #3

    Silvia Holzmüller (Dienstag, 06 Februar 2018 13:36)

    Hallo liebe Kathrin,
    Danke für deinen Kommentar. Ja, Diogo ist ein herrlich beschauliches Dorf, und die Lage hinter den Dünen mit dem Fluss, einfach magic!
    Noch einen schönen Tag und viele, interessante, abenteuerliche Reisen wünscht Silvia.